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Breitbandkoordination im Kreis Viersen

Breitbandkoordination im Kreis Viersen

Der Kreis Viersen will in enger Zusammenarbeit mit den neun kreisangehörigen Städten und Gemeinden die unterversorgten Adressen im Kreisgebiet beseitigen. Ziel ist es, diese „weißen Flecken“, für die in den nächsten 3 Jahren kein privatwirtschaftlicher Ausbau zu erwarten ist, mit einer Mindestbandbreite von 100 Mbit/s für Up- und Download ans Breitbandnetz anschließen zu lassen. Für einen Großteil der Finanzierung sollen Fördermittel verwendet werden. Unterversorgt sind laut Förderrichtlinie des Bundes alle Gebäude mit einem Versorgungsgrad von weniger als 30 Mbit/s im Download.

Für einen flächendeckenden Ausbau der unterversorgten Gebiete müssen nach einer unabhängigen Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalyse der Firma Eifel-Net voraussichtlich rund 40 Mio. Euro investiert werden. Dieser Betrag muss zugeschossen werden, damit sich der Ausbau für die Telekommunikationsunternehmen wirtschaftlich lohnt.

Ein Großteil der aufgeführten Summe soll durch die Beteiligung an einem Förderprogramm zum Breitbandausbau des Bundes bzw. des Landes finanziert werden. Im Regelfall beträgt der Fördersatz 90%, bei Kommunen im Haushaltssicherungskonzept sogar 100%. Der verbleibende Eigenanteil wird von den kreisangehörigen Kommunen getragen. Die gesamte Abwicklung soll durch die Breitbandkoordinierungsstelle des Kreises Viersen abgewickelt werden. Die erforderlichen Finanzmittel wurden im Kreishaushalt und den entsprechenden kommunalen Haushalten veranschlagt.

Historie der Aktivitäten

  • In der Bürgermeisterkonferenz am 11.04.2016 wurde beschlossen, dass auf Kreisebene ein Breitbandkoordinator eingesetzt wird. Die Förderung ist auf 3 Jahre mit einer Fördersumme von 50.000 Euro pro Jahr begrenzt (insgesamt max. 150.000€). Die Stelle des Breitbandkoordinators wurde am 01.02.2017 mit Herrn Sebastian Cüsters besetzt.
  • Am 30.05.2017 hat der Kreis das externe Fachbüro Eifel-Net GmbH zur Unterstützung beim Breitbandausbau beauftragt. Die Firma Eifel-Net hat am 01.06.2017 mit der Versorgungsanalyse der Städte Kempen, Nettetal und Viersen sowie der Gemeinde Grefrath begonnen. Im Vorfeld war die Fa. Eifel-Net bereits separat von den Gemeinden Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal sowie den Städten Tönisvorst und Willich beauftragt worden. Um eine kreisweit einheitliche und vollständige Datengrundlage zu erhalten, umfasste der Analyse-Auftrag des Kreises auch die Übernahme und Konsolidierung der separat erhobenen Ergebnisse.
  • Am 02.08.2017 ist vom Kreis Viersen das förmliche Markterkundungsverfahren(MEV) für Grefrath, Kempen, Nettetal, Viersen und Willich gestartet worden. Die Stadt Willich hat sich nachträglich hieran beteiligt, weil das bereits eigenständig durchgeführte Erkundungsverfahren nicht mehr aktuell war. Die Kommunen Brüggen, Niederkrüchten, Schwalmtal und Tönisvorst haben ihre MEV separat durchgeführt. Die Ergebnisse wurden von der Fa. Eifel-Net eingearbeitet.
  • Parallel ist ein nichtförmliches Interessenbekundungsverfahren (IBV) für das gesamte Kreisgebiet gestartet worden. Die Ergebnisse aus MEV und IBV lagen am 19.09.2017 nach einer Abgabefrist von 6 Wochen vor und wurden in Zusammenarbeit mit der Firma Eifel-Net ausgewertet.
  • Der Kreis Viersen hat mit den kreisangehörigen Kommunen eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung geschlossen, um den Breitbandausbau gemeinsam voran zu bringen. Die notwendigen Ratsbeschlüsse der Kommunen und des Kreistages wurden im 4.Quartal 2017 eingeholt. Somit wurde der Grundstein für einen gemeinsamen Förderantrag in 2018 gelegt.
  • Auf der Basis der Ergebnisse aus IBV und MEV sowie unter Berücksichtigung zwischenzeitlich erfolgter zusätzlicher eigenwirtschaftlicher Vorhaben von Telekommunikationsunternehmen wurden kreisseits die Grundlagen für einen Förderantrag erarbeitet. Die unterversorgten Adressen, welche von einem geförderten Ausbau profitieren, sind von den kreisangehörigen Städten und Gemeinden bis Februar 2018 in der finalen Fassung an den Kreis übergeben worden.
  • Der Kreis Viersen hat zur juristischen Unterstützung des gesamten Verfahrens am 05.03.2018 eine externe Fachkanzlei beauftragt. Die Kanzlei Melz Gercke aus Hannover, welche eine ausgiebige Fachkompetenz im Bereich Breitbandförderung nachweisen konnte, wird in enger Abstimmung mit der Fa. Eifel-Net als technischem Berater und dem Breitbandkoordinator des Kreises den Ausschreibungsprozess begleiten.
  • Die Markterkundung wurde am 24.05.2018 nochmals für den gesamten Kreis Viersen mit einer Laufzeit von 8 Wochen gestartet. Im Hinblick auf den nächsten Aufruf zum Bundesförderprogramm entspricht die erneute Abfrage den vorgegebenen Regularien.
  • Der Termin für den nächsten Aufruf zum Bundesförderprogramm zum Breitbandausbau wurde bekannt gegeben. Der kommende Aufruf zum Förderprogramm startet am 1. August 2018. Ein Upgrade der entsprechenden Rahmenrichtlinie wurde am 03.07.2018 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur veröffentlicht und ist über die homepage des BMVI´s einsehbar. Der Kreis Viersen bereitet sich intensiv auf die Teilnahme am kommenden Aufruf vor. Die wesentlichen Eckpunkte des Förderprogramms sind zu den letzten Aufrufen im vergangenen Jahr unverändert.

Privatwirtschaftlicher Ausbau im Kreisgebiet - Stand März 2018

Im Kreis Viersen gibt es hauptsächlich 3 Provider mit vorhandener, flächendeckender Infrastruktur. Neben Deutsche Telekom sind noch Unitymedia und Deutsche Glasfaser mit ihren Produkten vertreten. Die Deutsche Telekom hat das Kreisgebiet weitestgehend mit ihrer neusten VDSL-Technik erschlossen, diese Technik ist auch unter dem Namen Vectoring bekannt. Geographisch konzentriert sich die Deutsche Telekom für diesen Ausbau auf größere Ballungsgebiete im Kreis, abgelegene und zu ländliche Gebiete profitieren zumeist nicht von diesem Ausbau. Die Übertragungstechnik basiert auf einer Kombination aus Glasfaserleitungen und alten vorhandenen Kupferadern. Verteilerstationen am Straßenrand werden mit sogenannter aktiver Technik ausgestattet und mit Glasfaser angebunden. Die letzte Meile zu den Häusern wird weiterhin über die vorhandene Kupferleitung realisiert. In Fachkreisen spricht man von einem sogenannten FTTC (Fibre to the curb) – Ausbau. Mit Vectoring erreicht man maximal Downloadraten bis zu 100 Mbit/s. Diese Übertragung ist allerdings reichweitenabhängig und ein shared Produkt, d.h. mehrere Kunden müssen sich die zur Verfügung gestellte Bandbreite bei zeitgleicher Nutzung teilen.

 

Ausbaustufen

 

Das Unternehmen Deutsche Glasfaser hat bereits ein flächendeckendes Glasfasernetz in den drei Westgemeinden Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal realisiert. Bis zum Ende 2018 hat das Unternehmen eine weitere Ausbaustufe angekündigt. Nach Fertigstellung sind diese Gemeinden dann fast flächendeckend mit Glasfaser erschlossen. Ähnliches gilt für die Gemeinde Grefrath. Auch dort ist ein flächendeckender Ausbau mit Glasfasertechnik geplant. Einige Gewerbegebiete wie Münchheide und Stahlwerk Becker in Willich, Tempelshof in Tönisvorst und das Gewerbegebiet Ost in Kempen sind bereits oder werden zukünftig mit Glasfasertechnik der Deutschen Glasfaser erschlossen. Das Unternehmen befindet sich in den übrigen Kommunen in einer Akquisephase. Diese sieht dort einen eigenwirtschaftlichen Ausbau vor, wo genügend Vorverträge abgeschlossen worden sind. Anders als beim Ausbau der Deutsche Telekom, wird hier tatsächlich die Glasfaser bis ins Haus gelegt. In Fachkreisen spricht man von einem FTTH (Fibre to the home) – Ausbau. Somit sind theoretisch Übertragungsraten von mehreren Terabit/s möglich. Diese Übertragungstechnik ist reichweitenunabhängig und in Point to Point (ptp) Architektur dediziert ausgelegt, d.h. jeder Kunde bekommt eine festzugesicherte Bandbreite, die im Down- und Upload identisch ausgeprägt ist.

 

Schnell, schneller, Glasfaser

 

Das Unternehmen Unitymedia bietet seine Dienstleistung basierend auf dem verfügbaren Kabelnetz an. Das Kabelnetz wurde ursprünglich von der Deutschen Bundespost für den Fernsehempfang konzipiert. Damals hat man nicht daran gedacht, dass dieses Netz in der Zukunft für eine Internetübertragung genutzt werden könnte. Seit etwas über 10 Jahren bieten Dienstleister Internetprodukte über das Kabelnetz an. In NRW, Hessen und Baden-Württemberg ist der führende Anbieter die Unitymedia. Für einen ländlich ausgeprägten Kreis hat der Kreis Viersen ein vergleichsweise großes Kabelnetz. Im Jahr 2017 wurde der Ortsteil Elmpt in Niederkrüchten komplett neu mit Kabel versorgt. Ein weiterer Ausbau in dieser Größenordnung ist allerdings für die nächsten Jahre für den Kreis Viersen nicht zu erwarten, lediglich größere Neubaugebiete könnten zusätzlich mit Kabelnetz erschlossen werden. Das Unternehmen investiert hauptsächlich in die Modernisierung des Bestandnetzes. Die Übertragung erfolgt über das bestehende Coax-Kabelnetz. Der zugrundeliegende Standard heißt DOCSIS. In der aktuellen Version 3.0 kann diese Technik bis zu 400 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload erreichen. Unitymedia möchte bis Ende 2025 ihren neuen Standard 3.1 komplett ausgerollt haben. In der neusten Version sind Übertragungsraten bis zu 1 Gbit/s möglich, allerdings ist diese Übertragungstechnik auch reichweitenbegrenzt und ein shared Produkt. In Fachkreisen bezeichnet man die Ausbauvariante wie bei der Telekom auch als FTTC.

 

So kommen die Daten ins Haus